Schnellschuss: Globalisierungswellen

Im Nachgang an meinen eigenen Artikel, wie man mit Pegida umgehen könnte, und unter dem Eindruck des Carta-Artikels von Dr. Sergey Lagodinsky, 2014 solle gehen und seine Geister mitnehmen, ist mir ein Gedanke gekommen: Pegida ist der Auswuchs einer Globalisierung, die Menschen einerseits wirtschaftlich, andererseits in ihrer Identität verunsichert.

Wirtschaft

Sie sind wirtschaftlich nicht abgesichert, sondern in Krisenzeiten auf harte Proben gestellt. Angesichts der wachsenden Globalisierung stehen sie aber auch unter dem Druck, international erfolgreich zu sein. Zuwanderer könnten ihren Job möglicherweise besser erledigen, das Unternehmen könnte den Standort verlegen, ein Konkurrent könnte das Produkt schneller, besser oder günstiger herstellen.

Die weltweiten Konflikte – die auch Ausdruck von Krisenzeiten sind – spülen zudem Flüchtlinge nach Deutschland, da dieses nach erneuter Erstarkung wieder „mehr Verantwortung in der Welt“ übernehmen kann, soll, will. Die Frage, die von solchen Bewegungen in den Raum gestellt werden soll, ist, wieviel Verantwortung das sein soll. Die gegebene Praxis wird in Frage gestellt, auch wenn die gegebene Praxis nicht immer hinreichend bekannt ist und oft genug Fehlinformation herrscht. Dahinter steht die wirtschaftliche Angst.

Dass Deutschland die Krisenzeiten bisher mit relativ kleinen Schäden überstanden hat, macht die Menschen denken, dass sie mehr oder weniger abgesichert seien. Frei vom Spardruck der Griechen oder Spanier beispielsweise, frei von Reformzwang. Und dann kommen Flüchtlinge, die diesen Wohlstand gefährden könnten – entweder durch Konkurrenz auf einen Arbeitsplatz oder durch Nutznießertum von sozialen Absicherungsmechanismen. Aber der Krisenschaden in Deutschland ist größer, als manche glauben: Sollten die Griechen tatsächlich insolvent werden, Schulden nicht mehr bedienen o.ä., treten Mechanismen der halben Fiskalunion in Europa in Kraft. ESM und EFSF werden wirtschaftliche und finanzielle Kräfte in Deutschland fordern. Wir haben uns bisher Verschonung von der Krise durch Versprechen erkauft. Versprechen, die dafür gesorgt haben, dass wir größtenteils weitermachen konnten wie bisher. Das ist die wirtschaftliche Seite.

Identität

Die schon mit den wirtschaftlichen Krisenzeiten in Verbindung gebrachten Flüchtlinge stellen jedoch auch ein identifikatorisches Problem dar. Auch wenn gerade Dresden als Zentrum der Bewegung gilt, so ist doch immer wieder die Frage im Raum, wie die Menschen sich selbst verstehen, woher sie ihre Identifikation nehmen. Die Demonstranten wollen sie gern aus einer vermeintlichen deutschen Kultur entnehmen, die es eigentlich gar nicht greifbar ist. Aber diese Verunsicherung geht Hand in Hand mit der wirtschaftlichen Angst. So weit, so bekannt.

Globalisierungswellen

Nun zeigt sich so etwas in der Geschichte aber immer wieder: Die wirtschaftliche Globalisierung Anfang des 20. Jahrhunderts war ebenso ein Grund für wirtschaftliche Konkurrenz und Angst unter Arbeitern. Ein Weltkrieg brach aus, wenn auch von etwas ganz anderem ausgelöst. Zu Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts waren wesentliche Erfindungen gemacht oder weiter verbreitet worden: Auto, Flugzeug, Telefon, Radio, Eisenbahnen. Infrastruktur in jeder Hinsicht ließ die Welt zusammenrücken. Ich nenne das mal eine Globalisierungswelle. Auch heute erleben wir so etwas einerseits durch die Kraft des Internets, das als Universalmedium bisherige Massenmedien z.T. ersetzt und Kommunikation über Grenzen hinweg noch einfacher macht. Der internationale Ausbau von Verkehrsinfrastruktur, Unternehmenskultur und Medienwahrnehmung tut sein Übriges. Und nun werden auch durch die globale Verantwortungsübernahme in humanitärer Hinsicht Grenzen überwunden, da es in Europa (mehr oder weniger) Regeln zur Flüchtlingsaufnahme gibt. Dies verlangt als eine weitere Globalisierungswelle sowohl wirtschaftliche als auch kognitive Anstrengung.

Kann ich mich in dieser globalisierten Welt behaupten? Wie viel kann ich vom Anderen akzeptieren? Welche Veränderungen in der mir vertrauten Welt kann ich aushalten? Der eine oder andere kann wohl weniger aushalten.

Der Zusatz Schnellschuss im Titel soll bedeuten, dass es ein kurzer Gedankenblitz war, den ich hatte, den ich aber nicht über mehrere Tage oder untermauert mit vielen Fakten und Argumenten überprüft habe. Ich stelle das hier einfach nur so in den Raum, finde den Gedanken der Globalisierungswelle aber interessant und vielleicht könnte man noch ein paar mehr Beispiele dazu finden. Vielleicht kann mir aber auch jemand nachweisen, dass ich einfach nur Wahnvorstellungen habe.